... von erbse


JUNI 2017

 

Erbse ist am 24. Juni vierzehn Jahre alt geworden - wir finden, ein tolles Alter, wenn auch mancher meint, ein relativ kleiner Hund müsse dieses Alter locker erreichen. Allerdings haben wir in all den Jahren der Hundehaltung viele viele Kameraden ähnlichen Alters schon verabschieden müssen. Alleine hier bei uns im Dorf sind vier gute Kameraden von Erbse und mir schon gestorben - in Kromi-Kreisen natürlich weitaus mehr, kennen wir da doch auch sehr viele Hunde ... kannten, muss man wohl sagen.

 

Aber wie auch immer, wir freuen uns einfach daran, dass es Erbse nach wie vor körperlich ausgezeichnet geht, was die Agilität und Fitness angeht. Sie läuft und läuft und läuft - oft langsam und zögerlich, trabt in der ersten Hälfte des Spaziergangs regelmäßig hinterher und man muss sich darauf einrichten, auf sie zu warten. Sie braucht gefühlte Ewigkeiten, um an einem Grashalm zu riechen, um sich für eine Pieselstelle zu entscheiden - und um sich dann wieder zu orientierten. Gibt man dann keinen Laut von sich und rührt sich nicht, denkt sie wohl, sie wäre alleine, dreht um und läuft nach Hause.

Diese Orientierungslosigkeit ist besonders dort gefährlich, wo Verkehr herrscht. An der Straße, bei vielen Menschen, in unbekannter Umgebung findet sie sich nicht mehr gut zurecht, stolpert und irrt etwas hilflos umher. Man muss auf sie aufpassen wir auf ein Kleinkind, das die Gefahren der Welt erst noch kennen lernen muss. 

 

Das Gehör lässt außer dem Sehvermögen auch noch rapide nach. Schläft sie tief und fest, muss man schon sehr laut rufen bzw. pfeifen, damit sie bemerkt, dass man etwas von ihr möchte. Oft muss man auch zum Körbchen gehen und sie regelrecht wecken, wenn man einen Spaziergang mit ihr machen möchte.

 

Draußen ist sie allerdings dann voller Eifer dabei, dreht auch immer wieder noch ihre Pirouetten auf den Wiesen, kabbelt sich mit mir und genießt unsere Spaziergänge. Körperlich fehlt es ihr, wie gesagt, an nichts. Wir waren vor Kurzem noch mal (nach sehr langer Zeit) in unserer Tierarztpraxis. Der Sommerurlaub steht vor der Tür, wir wollen zum Wandern nach Österreich. Also mussten wir beiden noch einmal eine Auffrischung der Tollwutimpfung über uns ergehen lassen. Vorher wurden wir natürlich genau untersucht und Frau Dr. Henrichs war wieder mal ganz begeistert von uns beiden. Ich bin ja sowieso fit wie eh und je, keiner denkt, ich wäre zehn Jahre alt. Erbse ist genauso gut im Schuss - ihrem Alter angemessen. Sie ist natürlich sehr dünn, hat an Muskulatur verloren, der Organismus altert selbstverständlich. Aber alles andere wie Gelenke, Gangwerk, Herz, Kreislauf etc. sind einfach nur top. Frau Dr, Henrichs meinte, wenn das so weitergeht, werden wir noch eine ganze Weile Freude zusammen haben können.

 

Wir hoffen es sehr und sind gespannt, wie Erbse den Urlaub packt. Frauchen hat schon ein Tragetuch für Hunde bestellt, um Erbse mal zwischendurch ausruhen zu lassen, wenn wir einige Zeit am Stück unterwegs sind. Das klappt auch schon ganz gut, Erbse akzeptiert es und so freuen wir uns auf unseren Urlaub - ich werde berichten :-).

 


April 2017

 

Wir sind ganz gerührt, dass sich so viele Leute nach Erbse erkundigen und hören wollen, wie es ihr geht.

Nun ja, Erbse marschiert strammen Schrittes auf den vierzehnten Geburstag zu. Je nachdem, welche Internet-Seite man aufruft, wird ihr Alter in Menschenjahren dann zwischen 64 und 76 Jahren betragen. Wir alle haben eher das Gefühl, dass der höhere Wert für sie der passende ist.

Unser Kromi-Mädchen ist alt geworden! Ihr Sehvermögen hat rapide nachgelassen, sie scheint uns nahezu blind zu sein. Das bemerkt man hauptsächlich im Dunklen oder auch Halbdunklen, dann fällt ihr die Orientierung sehr schwer bzw. ist fast unmöglich. In bekannter Umgebung kommt sie trotzdem gut zurecht - auch unterwegs auf den gewohnten Wegen läuft sie munter, und Fremde bemerken ihre Einschränkungen oft gar nicht. Sind wir aber in unbekannter Umgebung, hat sie massive Probleme: Sie stolpert über Stufen, stößt sich an Türen, holpert Treppen hinunter, läuft von uns weg in die falsche Richtung, wirkt manches Mal sehr verwirrt und orientierungslos.

Ein weiteres deutliches Anzeichen des Alters ist die Demenz. Erbse steht oft einfach so in der Gegend herum, ist geistig vollkommen abwesend, sie reagiert dann nicht (oder sehr spät) auf Ansprache, weiß manches Mal mit dem Futter in ihrem Napf nichts anzufangen.

Und dann geschehen Dinge, die wir bisher noch NIE bei Erbse erlebt haben.

Es hatte sich für nachmittags Besuch angemeldet, Frauchen hatte leckere Teilchen und Kuchen besorgt und im Wohnzimmer schon mal auf den Tisch gestellt. Frauchen hat oben im Haus noch zu tun, kommt irgendwann von der oberen Etage herab und sieht Erbse im Wohnzimmer. Ihr erster Gedanke ist: "Oh Schreck, Erbse hat sich übergeben... und das auf den Langflor-Teppich ...!" Beim genaueren Hinsehen sieht sie aber dann, dass Erbse sich in aller Seelenruhe (und ohne schlechtes Gewissen) ein Stück gedeckten Apfelkuchen einverleibt!!! Und bei genauerem Hinsehen fehlt auch noch ein großes Stück Apfelberliner, der ganze Tisch ist voller Zuckerkrümel - und Erbse schmatzt und genießt die Leckerei und stört sich absolut nicht am fassungslosen Gesicht unseres Frauchens. Frei nach dem Motto: DAS HAT SIE JA NOCH NIE GEMACHT ;-)!

Körperliche Fitness ist bei Erbse nach wie vor kein Problem, sie läuft unsere gewohnten Runden locker mit. Auch beim Nordic Walking hat sie keine Schwierigkeiten, mitzukommen. Was sie bremst, ist die Bedächtigkeit, mit der sie mittlerweile alles erledigt. Sie braucht gefühlte Ewigkeiten, um sich zu entscheiden, wohin sie pieseln will, um alles gründlich abzuschnüffeln, um wieder in Gang zu kommen. Dann stehen wir eben herum und  warten, bis sie soweit ist und wieder Anschluss gefunden hat.

Wilde Runden auf den Wiesen sind aber nach wie vor drin, dann zeigt sich ihre ganze Lebensfreude und Beweglichkeit, die für ihr Alter wirklich top ist.

 

Epileptische Anfälle sind so selten geworden, dass wir überlegen müssen, wann der letzte überhaupt war. Das muss vor gut einem Jahr gewesen sein, Anfang April. Seitdem haben wir nichts bemerkt - was nicht heißt, dass der eine oder andere Anfall eventuell nachts kommt, wenn alles schläft. Aber das war ja schon immer so. 

 

Im Großen und Ganzen können wir nur dankbar sein, dass sie so wenige Probleme hat und wir kaum Rücksicht auf sie nehmen müssen. Wir werden Ende August auch noch einmal mit ihr zum Wandern in die Berge fahren, das wird sie locker schaffen. Für alle Fälle nehmen wir eine Transporttasche mit, um sie zwischendrin mal ein Weilchen ausruhen zu lassen - wenn sie das möchte ;-). Warten wir's ab, erst einmal feiern wir in knapp zwei Monaten ihren 14. Geburtstag!